Sonntag, 19. April 2015

Sing dein eigenes Maschenlied...

Haben Stricken und Musizieren etwas gemeinsam?
Beides Leidenschaften...
Beide können entspannen oder verspannen....
Beide lassen die Zeit vergessen...
Wer einen Pullover fertig von der Stange kauft, nichts dagegen natürlich, schaltet im Grunde das Radio ein oder legt eine CD auf und hört "vorgefertigte Musik", auch nichts dagegen, machen wir alle täglich....
Wer sich jedoch selbst einen Pulli oder eine Jacke strickt, nach Anleitung, Masche für Masche, jede Reihe folgt,
macht selbst Musik, 
nach
Maschennoten sprich Anleitung.
Wer dann eine Anleitung variiert und ändert, begibt sich auf die Ebene der Improvisation eines Musikstücks nach eigenem Gefühl, dort etwas mehr Forte, da Moderato und hier eine andere Klangfarbe, lieber Adagio.
 Und warum nicht einfach den Pulli in Dur statt Moll, d.h. in Runden oder flach, mit Raglan oder in Teilen????
Viele spielen das Strickinstrument (Nadel und Garn) seit ihrer Kindheit und haben genug Erfahrung und Übung, dass sie sich längst nicht mehr mit einfachen Liedern zufrieden geben....
Glatt rechts Socken, ein Kinderspiel-(lied), nein,  lieber ein paar Kadenzen drin mit Mustern und schwierigen Fersen...
Tücher können Etüden-Charakter haben, Tonleiter Muster hoch und runter verschiedenen Tonarten. 
Kunststrickereien -
ähneln manchmal Symphonien. 
Viele Instrumente und Klänge vereinen sich zu einem gewaltigen Ganzen in komplizierten melodische Konstruktionen.
Auch ich schreibe manchmal meine eigenen Melodien.
Vielleicht bin ich ja eine "Strick-Liederschreiberin"  oder "Maschen- Musikantin"
 die Maschenklänge in einem Lied vereint, keine langweiligen Sonaten mit viel glatt rechts,
 sondern eben ein fröhliches Lied, das einer Strickerin nicht aus dem Kopf geht.
Ein Lied, das sie entspannt vor sich hin pfeift,  weil die Melodie (das Muster) so eingängig ist.
Vielleicht komponiere ich in Maschen ein Lied, 
das man weiter gibt,  an die Tochter und Enkelin, 
ein Lied, das tröstet und Freude macht.
Nein, ich bin kein Designer (Komponist), denn ich beherrsche die Notenschrift (Charts) nicht perfekt, bin schlecht in Musiklehre (Zählen und Berechnen) und viel zu oft,  spiele ich eine völlig falsche Note (Fehler in der Anleitung) ....
oder einen Pulli, der nicht wirkt.
 Das Schöne am Maschen-Musizieren ist,
wenn andere in das Lied mit einstimmen
 (Blog-Gruppe), 
einen Gelegenheitschor oder Orchester bilden 
und einfach Spaß  am gemeinsamen Musizieren (Stricken - KAL) haben....
Egal in welcher Wolle, mit welchen Nadeln, lasst uns unser eigenes 
Maschenlied  singen.
Etüde, Sonate, Romanze, Country, Pop oder Disco oder eben einen  Gassenhauer...

Kommentare:

  1. Was für ein wunderbarer Vergleich! Ich fröne beiden Leidenschaften - singe im Chor und genaus liebe ich Maschenkompositionen - und wär nie auf die Idee gekommen, daß beide Vorlieben so nah beieinander liegen. Danke für diese schöne Inspiration!
    Sonnige Sonntagsgrüße
    Antje

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  2. Anonym14:54

    Wie schön!!!!

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  3. Das ist ein unerwarteter und doch eigentlich naheliegender Vergleich, den du hier ausführst! Ich bin Musikerin und stricke gerne (wobei ich beim Stricken viel besser improvisieren kann als beim Klavierspielen...), und als ich eben mit wachsender Begeisterung deinen Text las, dachte ich: warum bin ich noch nie auf diesen Gedanken gekommen?
    Sonaten finde ich allerdings nicht langweilig (ganz im Gegenteil), aber technische Etüden mag ich z.B. genausowenig wie Maschenproben oder Probestückchen - und doch sind sie manchmal notwendig und sinnvoll. Aber am schönsten ist es doch, eine eigene Idee zu haben und dann beim Stricken sich selber zuzuschauen, was daraus wird. Ich bewundere alle, die das auch musikalisch können.
    Und ich bewundere immer wieder deine hoch kunstvollen Strickwerke und würde dich deshalb ohne weiteres als "Strick-Virtuosin" bezeichnen! :-)
    Danke für diesen schönen Artikel und die harmonischen und stimmungsvollen Fotos mit dem "Duett für Geige und Strickwerk"!
    Herzlich, Brigitte

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  4. Was für ein poetischer Post! Musikalisch absolut talentfrei, kann ich mit Nadeln und Faden fast jeder Art einigermassen umgehen....
    Dein Vergleich tut meiner Seele soooo gut
    Danke
    Herzlichst
    yase

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  5. Ein ganz wunderbarer Vergleich! Ich würde mich wünschen, dass ich mit dem Klavier genau so gut umgehen könnte wie mit meinen Stricknadeln.

    LG

    Sylvia

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  6. Hallo,

    so poetisch lässt du den ersten Abend meiner sechs Tage Woche ausklingen. Ich denke schon, dass ich musikalisch bin, aber andere können es einfach besser. Ich kombiniere Musik von der Stange mit dem Spiel meines Nadelspiels. Meine Lieblingsband gibt den Rhythmus meiner Nadeln vor und ich schmücke die Melodie mit Mustern... Auch wenn es Musik von der Stange ist, den Gitarristen meiner Lieblingsband und uns verbindet die Stricknadel. Er hat eine Stricknadel (von seiner Mutter) in seine E-Gitarre eingebaut, die spielt er noch heute. Es gab virtuose klassische Komponisten, die zu ihrer Zeit Popstars waren. Heute gibt es viele die es mit Musik versuchen aber nur wenige, die es wirklich beherrschen. Du gehörst für mich zur letzten Gruppe. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel - Mozart hat seine Kompositionen nicht an einem Tag geschrieben und auch immer wieder korrigiert. Manchmal jedoch kam eine Komposition aus der Situation heraus, ganz spontan, so wie Beethovens Klavierstück Die Wut über den verlorenen Groschen. Du hast sicher auch solche Kompositionen und behältst sie zurück, weil du deinem Talent manchmal nicht vertraust.

    Trau dich
    Viele Grüße
    Fiene

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  7. Liebe Anett,
    Herrlich zum lesen hier wieder. Wunderschöne Bilder auch dazu. Spielt bei euch denn jemanden Geige?
    Es ist Musik für die Seele; beises...
    Ganz liebe Grüsse,
    Mariette

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  8. Mensch Anett, du bist ja direkt eine Poetin...............
    Allerdings finde ich deinen Vergleich mit dem musizieren total getroffen, auch wenn ich leider nur mit Nadeln und Garn "musizieren" kann, das andere habe ich nie gelernt..............

    Baci, Monika

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  9. Liebe Anett,
    so ein schöner Vergleich, deine Kompositionen sind auf jeden Fall Ohrwürmer, denn einmal angefangen gehen sie einem nicht mehr aus dem Sinn.
    GLG Bine

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  10. Ach, ist das nett zu lesen, Anett ...

    Und Du hast vollkommen recht ... Ich spiele auch Klavier und Flöte, der Vergleich zum individuellen Stricken ist sooo nah ...
    Ich lese Deinen Post jetzt nochmal ... er hat mir allzu gut gefallen .....

    Liebe Grüße
    Nadja

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  11. Was soll man dazu sagen Einfach nur WUNDERSCHÖN ein toller Vergleich und so Wahr .
    Lieben Gruß Karin

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  12. Ein wunderbar, melodischer Vergleich und in der Tonlage wunderbar getroffen!!!
    Und wir können auch noch selbst die Tempi angeben .....ob wir Adigo, Andantino oder Prestissimo die Nadeln "klingen" lassen ..... jeder wie er kann, und wie ihm seine "Melodie" gefällt
    Danke dafür!!
    Herzlichst
    Ricki

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  13. Liebe Anett,

    ein wundervoller Vergleich, das klappern der Stricknadeln kann auch Musik in den Ohren sein ;o))

    Ich wünsch dir einen wunderschönen Tag

    GLG Mela

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  14. Blogging is the new poetry. I find it wonderful and amazing in many ways.

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