Montag, 24. Januar 2011

Ich gebe mir keine Mühe mehr...,

sondern habe lieber Geduld.
Sobald ich etwas mit Mühe tue, erstickt meine Hingabe, etwas wird mühselig und schwer.
Schon die Wort MÜHE und GEDULD klingen so verschieden, wie ihre Bedeutung.
 Mühe, beinhaltet für mich eine gewisse Angst vor dem Misserfolg und wohin führt die Angst vorm Misserfolg... zum Misserfolg, bei mir zumindest.
Geduld dagegen, hat etwas mit Vertrauen in mich selbst zu tun.
Lacekleid 005
Ein Kind lernt.
Mit der Zungenspitze zwischen den Lippen, lernt es angestrengt und konzentriert. Auf Anhieb klappt es nicht, auch nicht beim zweiten Mal.
Fragender Blick und die Antwort der Mutter:"Gib dir doch mal mehr Mühe!", im Sinne von... kannst du es denn immer noch nicht, das wird ja nie was.
Welch scharfen, vorwurfsvollen Unterton hat diese Antwort.
Sagt die Mutter jedoch:"Hab doch ein wenig Geduld.", klingt ihre Stimme weich und sanft, ja fast tröstend, im Sinne von das wird schon.
Geduld hat man, in Geduld kann man sich üben.
Mühe kostet es, Mühe kann uns gar nicht gegeben werden.
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Hier in Frankreich habe ich aufgehört, mir Mühe zu geben.
Wir freuen uns auf ein Fest, eine Feier, wochenlang, monatelang, erwartungsvoll, fast ungeduldig.
Der große Augenblick ist da, wir gehen zum Frisör, kaufen ein neues Kleid, tragen ungewohnte, hochhackige Schuhe... geben uns Mühe, gut auszusehen.
Dann sitzen wir vor einem festlich gedeckten Tisch, teuer Wein glitzert in zarten, zerbrechlichen Gläsern, wir geben uns Mühe, das neue Kleid nicht zu bekleckern, geben uns Mühe, unseren Tischpartner zu amüsieren, tanzen mit unserem Chef, bemüht, ihm nicht auf die Füße zu treten.
Erschöpft kehren wir heim, am nächsten Morgen enttäuscht, war das das langersehnte Fest, der Höhepunkt des Jahres?
DSC01013
Mühelos dagegen, rein zufällig finden wir uns mitten auf einem französischen Erntefest wieder, tragen leichte, Uralt Sandalen, weil die sich herrlich laufen, Haare im Pferdeschwanz, ein leichtes Sommerkleid, weder Make up, weder Mühe...
Roter und weißer Wein werden aus Kanistern geschenkt und aus Plastebechern getrunken, Alt und Jung, tanzt nach einem einzigen verstimmten Akkordeon, ein kleiner alter Franzose fordert uns zum Tanz, tritt uns auf die Füße und lächelt ein zahnloses Lächeln.
 Man redet eine Sprache, die man nicht einmal versteht und doch versteht man sich...mühelos.
Aufgewühlt und energiegeladen geht man nach Hause, glücklich, noch am nächsten Morgen.
Welches Fest vergisst man nie? Genau.
Darum habe ich aufgehört, mir Mühe zu geben, ich vertraue einfach meiner Geduld, meiner Intuition, auch dem Zufall.
Entstehen oft nicht die schönsten Fotos und Projekte rein zufällig, mühelos, aus einer Laune heraus, aus der Lust einfach alle Regeln fallen zu lassen?
Obwohl ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin,
entstehen viele meiner Sachen mit viel Geduld und nicht scheinbar müheloser Zufälligkeit, siehe Fotos.
Immer wieder begeistert bin ich darum auch von den Knitting- Twitter  Kreationen.
 Immer lebendig, inspiriert vom Zufall, eingegeben durch die Schönheit des Materials, einer Stimmung des Augenblicks ,es sind es Unikate, die man nicht so schnell vergisst.
und dieser geht ins Kistchen

Kommentare:

  1. Ein wichtiges Thema, das mit der Mühe. Auch bei uns steht ein Fest an, das schön werden soll und ich gab mir bisher Mühe, dass alles durch eine präzise Planung gut klappt. Wenn ich jedoch der Gast wäre, würde ich mich auf lockere, authentische und gelöste Gastgeber freuen- und alle so mühevoll geplanten Details wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen, weil sie nicht wichtig sind.
    Danke für den Denkanstoss!
    Lieben Gruß
    Claudia

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  2. Anonym15:11

    Liebe Anett,

    wunderschön nachdenklicher Text! Und wie recht Du mit Deiner "Mühelos-Methode" beweist Du ja immer wieder auf's Neue mit Deinen Kunstwerken!

    Ich glaube, für mich selbst muss ich da noch ein Stück mehr gelassener werden.

    Danke für den Denkanstoss.

    Liebe Grüße aus dem verschneiten Bayern
    Carola

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  3. Das hast du sehr schön geschrieben !
    Auch ich habe schon oft an mir selbst bemerkt, das etwas mit Geduld meist besser funktioniert (und man hat freude dabei ), als wenn man sich maßlos versucht zu bemühen und alles dann den eigentlichen Spass nimmt!!!!

    viele Grüßle Lydia

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  4. ooooh ja das ist unsere anett und wenn ich dein erstes bild anschaue....wow da hat die liebe natur sich die allerbeste mühe gegeben...so schön!!!! aber ja du hast so recht, die schönsten feste oder dinge sind immer die, die unerwartet spontan kommen....und wenn man sich fest freut und zu fest bemüht...dann sind wahrscheinlich (bei mir) die erwartungen zu hoch....aber anett...beim stricken gibst du dir biiiiitte weiter mühe....ich bewundere jedes einzelne teil von dir!!!
    ciao ciao knuddel knutsch bye bye
    lee-ann

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  5. Das hast du mal wieder sehr schön beschrieben. Aus der Sicht habe ich das noch nie gesehen. Wenn ich sage ich gebe mir Mühe, dann bin ich nicht davon überzeugt es auch zu schaffen, zur vollsten Zufriedenheit.
    Mühe ist anstrengend, also üben wir uns lieber in Geduld. Klingt viel angenehmer.:-)

    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    Chrissi

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  6. Oh wie schön dein Text ist!
    Liebe Grüße, Mona

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  7. Liebe Anett,
    wieder mal ein nachdenklicher, mit den Bildern fast poetischer und wahrer Post....Du hast recht mit der Mühe und der Geduld - ich bin immer so froh (als ungeduldiger Mensch), dass man in vielen Dingen im Alter etwas geduldiger und duldsamer wird...:o))
    Wunderschöne Handarbeit - ich bin zutiefst beeindruckt!
    HG
    Birgit

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  8. Zuerst war ich etwas verwirrt, als ich die Überschrift las. Dann aber der Text: Und ich gebe dir recht.
    Ich habe acuh gelernt viele Dinge gelassener und sehr viel positiver zu sehen. Und vorgemacht hat mir das vor etlichen Jahren mein totkranker Lieblingscousin. Wriklich dem Tode geweiht konnte er sich an so kleinen netten Dingen erfreuen, dass ich ein richtig schlechtes gewissen bekam, wenn ich mal gemeckert habe. Duch seine Positive Art zu denken hat er mich zum Nachdenken angeregt und hat es tatsächlich geschafft, dass ich heute viele Dinge ganz anders erlebe. Vieol positiver und ich bin noch heute überrascht wie ansteckend das auf andere Leute wirkt.
    Und ich glaube, dass ist mit der Mühe und der Geduld genauso.

    Und deshalb sende ich dir heute geduldige und positive Grüße!
    Marion

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  9. Liebe Anett, deine Worte haben mir wieder einmal Trost gegeben. Was für eine andere Bedeutung manches bekommt, wenn man die richtigen Worte wählt. Auch ich muss Geduld haben, Geduld mit mir selbst, denn ich gebe gar zu schnell wieder auf. Geduld und Zeit, 2 ganz besondere Worte, die mir weiterhelfen.
    GlG Katrin

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  10. ja, du hast es auf den Punkt gebracht liebe Anett und du beschreibst es treffend, es ist wichtig sich von den elterlichen Sätzen wie *gib dir Mühe* trennt, ich hab mir als Kind dann grad keine Mühe gegeben, es sozusagen mit voller Absicht versemmelt, es hat mein Selbstvertrauen eher in den Boden gestampft als es aufzubauen und ich hatte lange Jahre Mühe mit diesem Verhaltensmuster. Bis ich es mal erkannt habe und seitdem gedulde ich mich, denn alles hat seinen richtigen Zeitpunkt und ich freue mich heute auf die Zeit dahin, weil es da genausoviel zu entdecken gibt, jeder Augenblick ist so schön wenn man ihn geduldig betrachtet, wenn man Menschen mit Geduld ansieht, kann man deren Gefühle spüren, mit Mühe merkt man nichts, man ist ja dann in Gedanken schon auf der Flucht....
    ich danke dir für diese schönen Worte, dein blog ist mein Schatzkistchen und deine gestrickten Bilder sind wunderschön, auch der Himmel oben, einfach toll und Frankreich ist sowieso eine grenzenlose Liebe von mir, genau diese Art Gelassenheit der Menschen...herrlich...

    liebe Grüße
    Tina

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  11. @ Lee-Ann, na, ich gebe zu, ach mich kostet es manchmal auch Mühe, Geduld zu haben,es ist es wert, spontan und aus dem Gefühl heraus zu handeln.
    @ Carola, du wohnst ja auch in einem warmen Land, da drehen sich die Räder müheloser und geduldiger
    @Tara auch du suchst immer nach neuen Herausforderungen und wenn sie als mühevoll empfindet, waren sie vielleicht nur ein klitzekleines Stück zu hoch, aber die Latte fällt auch, bei einem Hauch von einer Berührung und dann werde auch ich ungeduldig...
    @Marion, die gleiche Erfahrung habe ich auch aus nächster Nähe gemacht, man wird milder, aber auch viel sensibler, geduldiger, obwohl oder gerade weil, einem die Zeit das Leben verkürzt..
    @Katrin schön, das Worte trösten,ja, mit mir selbst habe ich wohl die meiste Geduld...lach, habe aber auch den Vorteil nicht gelebt zu werden, das macht es leichter...

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  12. ein wunderbarer Püst! danke für diese Worte, ich übe mich ja auch darin, mührlos geduldig zu sein....nicht immer leicht, denn der ewig mitgeschleppte alte Zopf der Mühe lässt sich nicht so leicht abschütteln.

    danke
    mandy

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  13. ...ich bin gerade unheimlich dankbar, Du hast meine Gedanken in Worte gefasst hast. Viele Jahre lang, dachte ich immer, ich müsse perfekt sein, seit ich es nicht mehr darauf anlege, fühle ich mich wie eine Schneeflocke.. die nie landen muss, dieses schwerelose Gleiten, mal nach rechts, mal nach links,
    kein Berg zu hoch, kein Fluss zu tief, ich darf ganz einfach ich sein... ich glaube, die meisten Menschen sind sich selbst der grösste Feind. Die
    Angst nicht zu genügen, hält uns oft von den schönsten Höhenflügen ab. Die Kreation wandern lassen zu dürfen ohne sich an anderen Menschen zu messen ist für mich Freiheit pur.
    Die Freude, mich an so vielen schönen Sachen beteiligen zu dürfen, diese Vielfalt mit der mich andere Menschen
    mit ihren Kreationen bereichern, dieses nicht Müssen sondern Dürfen ist was für mich zählt. Ich danke Dir Anett für Deine Worte und ich danke
    Euch dass Ihr Alle so herrliche Sachen macht, die uns inspirieren, uns staunen - uns ganz einfach den Tag bereichern, liebe Grüsse, Christa

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  14. Liebe Anett,
    nachdenkliche Worte - die auch mich nachdenken lassen. "Mühe" hört sich schon sehr anstrengend an und bei meinem neuen Projekt gebe ich mir viel Mühe. Muss ich mir geben, meine ich...Aber das macht nicht zufrieden. Es macht mir Druck. Und so möchte ich es auch nicht unbedingt haben. Es hilft mir hoffentlich für die Zukunft, andere Entscheidungen zu treffen.
    Danke auch für die interessanten Links.
    LG von
    Claudia

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  15. Oh je, das macht mich jetzt wirklich nachdenklich. Mein Sohn wechselt dieses Jahr die Schule und möchte unbedingt aufs Gymnasium. Anfangs sah es noch sehr gut aus, er lernt leicht und hat gute Noten. Aber in letzter Zeit kommen auch schlechte Noten dazu. Er WILL aber aufs Gymnasium und ich sag, gib dir ein bißchen mehr Mühe. Das war vieleicht genau das Falsche. Viel mehr sollte ich sagen,"Du schaffst das!"
    Ich werd es mir zu Herzen nehmen,vielen Dank für deinen Post.
    Herzliche Grüße, Ilse.

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  16. Wie so oft liebe anett, hast Du wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen!!!
    Was haben wir davon , wenn wir uns Mühe geben, aber absolut keine Geduld haben!!!
    Wenn ich mir MÜHE gebe...egal ob nun beim Kochen, Handarbeiten oder sonstigen Tätigkeiten...es geht garantiert "schief"
    Mache ich es aber mit Bedacht, Ruhe, ...dann gelingt es!!!
    Ich denke, wir müssen nur wieder lernen, mit "Weniger" zufrieden sein....so wie Marion schon schreibt, dass sich ihr Totkranker Cousin über die klienen Dinge am meisten gefreut hat!!!
    Denn dann erst, werden wir nicht verbissen etwas erzwingen wollen, und es glingt zu guter letzt !!!
    Liebe Anett...ich danke Dir von Herzen, über Deine Zeilen, die immer wunderbar anregen, nachzudenken, ein wenig zu philosphieren, in uns hinein zu hören....manchmal nimmt man sich dafür einfach viel zu wenig Zeit!!!
    Und welche eine Freude, wie sich Dein Schatzkästchen mit wunderbaren Dingen füllt!
    Herzlichst
    Ricki

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  17. Liebe Anett,

    ich musste als Kind viel kämpfen.
    Mühe gab ich mir nie genug.
    Nicht leicht abzulegen.

    Danke für die wunderbaren Worte zur Erinnerung.

    LG
    Sabine

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