Samstag, 29. Januar 2011

Häkeln ist für mich...

wie Autofahren,
ich kann es, wenn es absolut sein muss, sowohl am Steuer als an der Häklenadel habe habe ich  zu wenig Routine, um es mit Hingabe zu tun, so dass ich es am liebsten anderen überlasse. 031 (2)
 Dieser nichts verhüllende Sommertop ist ein "altes " Familienstück und fiel mir in die Hände, weil er einfach perfekt zu dem bestickten Rosentüll passt, ja, Christa, ich schwärme immer noch. Ich bin kein Fan von gemixten Strick-Häkelsachen, für mich entweder /oder. Ein Strickpulli mit Häkelborte wirkt auf mich wie eine Obstschale mit Orangen und Tomaten oder ein Blumenbeet mit weißen Geranien neben rosafarbenen.033 (2)
Ich mag es, wenn Materialien sich gegenseitig verstärken. Wie Wolle und Stoff zum Beispiel045 (2)Dieser, mit wirklich schweren Rosen recht wie links bestickte Stoff ist in seiner Schönheit nur schwer zu beschreiben, ich weiß auch nicht, ich welchen Heiligen Hallen von Sankt Gallen  - Christa diesen Schatz erstanden hat.022
Ich bin jedenfalls sehr glücklich über den Zufall, dass hier Stoff und Wolle und das Equinox Tuch so gut zusammen passen. Stoff und Wolle
Ein passendes Kleid muss noch genäht werden, aber zum Nähen habe ich wenigstens ein positiveres Verhältnis als zum Autofahren. Ein paar Stränge von der gleichen
sind mittlerweile auch bei mir eingezogen, man weiß ja nie, auf welche Ideen man noch kommt, beim Autofahren...

Donnerstag, 27. Januar 2011

Rose of England 6 und eine sti(e)lvolle Leserin

Halbzeit für die Rundumbordüre, die eigentlich doch Spaß macht, da kraus rechts gestrickt,  ist sie rechts und links tragbar.
Im Nachhinein bin ich froh, angestrickt zu haben, denn die Naht, hätte am Kragen, der nach außen fällt, gestört. Glücklicher Zufall, der Kragen verdeckt teilweise die großen Löcher.023 (3)
So langsam wird sichtbar, dass es eine Jacke wird, die Ärmel setze ich beim nächsten Mal (oh,je), höher an..
Eigentlich hoffe ich, dass sich dieses Strickexperiment, doch noch als tragbar herausstellt.018
Gefreut habe ich mich in diesem Zusammenhang auch über einen ersten kritischen,  anonymen Kommentar unter meinem letzten  Rosenpost, dort schreibt eine leider namenlose Leserin:015 (2)"
"...wir leben doch in der gegenwart und da ist wie es ist viel zu erdrückend gut jedemgefällt etwas anderes na schade nicht mein Stiel" .
Ich habe an der Rechtschreibung mal nichts geändert (meine hat nach  16 Jahren Holland auch sehr gelitten), denn hier liegt der erste Grund, warum ich wirklich herzlich gelacht habe, ja, einen Stiel hat die Rose sicher nicht und über Stil und Style lässt sich bekanntlich streiten.
Aber streiten möchte ich mich auf keinen Fall, jedoch nachdenken, was sich hinter diesen fast bitteren Worten verbirgt.
Ja, wir leben in der Gegenwart und das ist gut so,  aber unsere Gegenwart ist schnell und technologiegeprägt, fast uniform und in mir entsteht darum oft das Bedürfnis, auf Altes, Nostalgisches zurückzugreifen, auf etwas, das langsam entstand, mit viel Geduld und Liebe, nicht Made in ...von Roboterhand.
02 Rose
Warum nähen wir historische Kostüme oder Kleider im Vintagelook, warum Rüschen am Rock, warum stricken wir unsere Socken überhaupt noch selbst, für den Preis eines Stranges kauft es sich viel schneller ein oder zwei Paar im Kaufhaus. Warum noch Shabby Chic und Brocantestil, warum hüten wir Großmutters alten Unterrock?
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Warum mag ich das alte Holz eines Schrankes,
warum das Schlagen einer alten Uhr?
Weil es gut ist, im Hier und Heute zu leben, aber Gutes zu bewahren,Individuelles zu überliefern, nach jahrhundertalten Mustern zu stricken, zu sticken, häkeln oder zu klöppen, erfahre ich nicht als altbacken oder erdrückend.
Man baut wieder mechanische Uhren,wir restaurieren den Zwinger und die Frauenkirche, was wären wir ohne den Louvre, aber auch ohne Omas alten Strickstrumpf?
Weil wir unserer schnellen Welt gern mal ins stille Nähkämmerlein entfliehen, etwas erschaffen, das nur wir erschaffen können, weil wir darin eben einzigartig sind.
Dein/mein Stil oder Style, sind da doch gar nicht wichtig, liebe anonyme Leserin, ich hätte dir das gerne persönlich gesagt und danke dir nochmals für diesen Denkanstoß und vielleicht wäre beim nächsten Mal ein Name stilvoller.

Montag, 24. Januar 2011

Ich gebe mir keine Mühe mehr...,

sondern habe lieber Geduld.
Sobald ich etwas mit Mühe tue, erstickt meine Hingabe, etwas wird mühselig und schwer.
Schon die Wort MÜHE und GEDULD klingen so verschieden, wie ihre Bedeutung.
 Mühe, beinhaltet für mich eine gewisse Angst vor dem Misserfolg und wohin führt die Angst vorm Misserfolg... zum Misserfolg, bei mir zumindest.
Geduld dagegen, hat etwas mit Vertrauen in mich selbst zu tun.
Lacekleid 005
Ein Kind lernt.
Mit der Zungenspitze zwischen den Lippen, lernt es angestrengt und konzentriert. Auf Anhieb klappt es nicht, auch nicht beim zweiten Mal.
Fragender Blick und die Antwort der Mutter:"Gib dir doch mal mehr Mühe!", im Sinne von... kannst du es denn immer noch nicht, das wird ja nie was.
Welch scharfen, vorwurfsvollen Unterton hat diese Antwort.
Sagt die Mutter jedoch:"Hab doch ein wenig Geduld.", klingt ihre Stimme weich und sanft, ja fast tröstend, im Sinne von das wird schon.
Geduld hat man, in Geduld kann man sich üben.
Mühe kostet es, Mühe kann uns gar nicht gegeben werden.
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Hier in Frankreich habe ich aufgehört, mir Mühe zu geben.
Wir freuen uns auf ein Fest, eine Feier, wochenlang, monatelang, erwartungsvoll, fast ungeduldig.
Der große Augenblick ist da, wir gehen zum Frisör, kaufen ein neues Kleid, tragen ungewohnte, hochhackige Schuhe... geben uns Mühe, gut auszusehen.
Dann sitzen wir vor einem festlich gedeckten Tisch, teuer Wein glitzert in zarten, zerbrechlichen Gläsern, wir geben uns Mühe, das neue Kleid nicht zu bekleckern, geben uns Mühe, unseren Tischpartner zu amüsieren, tanzen mit unserem Chef, bemüht, ihm nicht auf die Füße zu treten.
Erschöpft kehren wir heim, am nächsten Morgen enttäuscht, war das das langersehnte Fest, der Höhepunkt des Jahres?
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Mühelos dagegen, rein zufällig finden wir uns mitten auf einem französischen Erntefest wieder, tragen leichte, Uralt Sandalen, weil die sich herrlich laufen, Haare im Pferdeschwanz, ein leichtes Sommerkleid, weder Make up, weder Mühe...
Roter und weißer Wein werden aus Kanistern geschenkt und aus Plastebechern getrunken, Alt und Jung, tanzt nach einem einzigen verstimmten Akkordeon, ein kleiner alter Franzose fordert uns zum Tanz, tritt uns auf die Füße und lächelt ein zahnloses Lächeln.
 Man redet eine Sprache, die man nicht einmal versteht und doch versteht man sich...mühelos.
Aufgewühlt und energiegeladen geht man nach Hause, glücklich, noch am nächsten Morgen.
Welches Fest vergisst man nie? Genau.
Darum habe ich aufgehört, mir Mühe zu geben, ich vertraue einfach meiner Geduld, meiner Intuition, auch dem Zufall.
Entstehen oft nicht die schönsten Fotos und Projekte rein zufällig, mühelos, aus einer Laune heraus, aus der Lust einfach alle Regeln fallen zu lassen?
Obwohl ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin,
entstehen viele meiner Sachen mit viel Geduld und nicht scheinbar müheloser Zufälligkeit, siehe Fotos.
Immer wieder begeistert bin ich darum auch von den Knitting- Twitter  Kreationen.
 Immer lebendig, inspiriert vom Zufall, eingegeben durch die Schönheit des Materials, einer Stimmung des Augenblicks ,es sind es Unikate, die man nicht so schnell vergisst.
und dieser geht ins Kistchen

Samstag, 22. Januar 2011

Rose of England 5 oder The never ending edging

Jetzt ist Geduld gefragt, 40 cm Rundumbordüre in zwei Tagen und am schwersten fiel mir die Überwindung, damit endlich anzufangen.004
Man baut da selbst seine Barrikaden und sieht eine meterlange, langweilige Arbeit vor sich, die wenig Abwechslung bietet, ohne die jedoch ein Strickstück, kein Ganzes formt und niemals fertig wird.
006  Ich verwende die Originalbordüre der Honeysuckle Jacke von Sarah Hatton. Dort wird die Bordüre apart gestrickt und dann angenäht, Petra (bloglos) und meine eigene Ungeduld haben mich davon überzeugt, den Rand doch anzustricken und mir damit gleichzeitig Annähen und Abketten zu ersparen.
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  Hier links die Rückseite und rechts  Vorderseite, das gute an der Bordüre, sie ist rechts wie links "tauglich", denn letztendlich wird sie wie eine Kapuze umgeschlagen und wird Innen - Außen.
Ich musste lediglich umdenken, denn Hinreihen der Anleitung, werden beim Anstricken Rückreihen und umgekehrt.042
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Aber wenn ich mal eine Pause brauche, dann tauche ich einfach in die Welt von Jane Austen ein und erfreue mich an diesen kleinen Rosen von Karin, die nie verblühen.
Noch mehr Lust auf Rosen?

Schaut mal  bei 
oder ins Blogschatzkistchen.


Donnerstag, 20. Januar 2011

Türen sind Gesichter


Türen sind Grenzen zwischen Kommen und Gehen.
Wächter über Abschied
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und  DSC01382
WillkommenDSC01387
Hier in Frankreich keine frisch lackierten, blankgeputzten Eingänge zu einer heilen Welt?
Nur ungern  werden Türen ersetzt und verletzt in ihrem Gesicht voller  Spuren und Narben der Zeit.St.Haon (2) - Kopie
Wie oft wurde eine Braut über diese Schwelle geführt, wie oft setzten Freunde hier ihren Fuß?
Wir viele  Särge wurden durch diese Tür hin zum kleinen Dorffriedhof getragen?
 Und dort stieß ein junger Vater die Wiege seines ersten Sohnes gegen das Holz. Männer zogen  durch diese Tür hindurch in den Krieg und kehrten durch  sie zurück oder wurden dahinter beweint. DSC03221 - Kopie - Kopie
Man erhoffte sich Glück und wartete auf Post...Das Haus hinter dieser Tür, gibt es schon lang nicht mehr...DSC02114 (2)Doch mein Weg in den Wald führt mich tagtäglich an seinen Resten vorbei. DSC03214  Die tragen sie nicht nur die Spuren der Zeit, sondern sind stille Zeugen längst gelittenen Leides und lang verflogenen Freuden, die mir zuflüstern, leb, leb einfach heute, denn  manche Türen  lassen sich nur in diesem Augenblick öffnen und bleiben danach für immer verschlossen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Rosenpause in Rosenholz

Nach sehr intensivem Stricken an der Rose of England, brauchte ich  mal eine kleine "Rosenauszeit". Mit diesem Tausendschön Garn, hatte Karin mich überrascht und ich sehe "diesen Materialfreak" in Gedanken vor mir, wie sie die Stränge auf der Messe befühlt und "beschmust", bevor sie als Geschenk für würdig befunden wurden.Lazy 010Für mich steht diese TAUSENDSCHÖN Merino extrafeine Sockenwolle absolut in der Top 5 meiner Lieblings-Wolle.
Die Farbe wird als "Haselnuss" umschrieben, auf dem Foto ist die Farbe annähernd gut getroffen und für mich ist es definitiv "Rosenholz", denn in Haselnuss sehe ich mehr OrangeBraun. Das Garn ist einfach super verzwirnt und besteht aus unzähligen Fäden, ist also wirklich xxx fach und viel zu schade für "Fußgaragen", darum sollte es auch ein Tuch werden. Die Lazy Katy von der Woll Lust, ein kleines Tuch mit abweichender Form.Lazy 011
Das Tuch strickt sich wirklich leicht, die Anleitung ist wie immer sehr verständlich. Empfohlen sind  Nadeln 5- 5.5, ich kann mich mit so dicken Nadeln nicht anfreunden, denn das glatt rechts Gestickte ist mir dann doch zu grob.
  Außerdem ist dieses Garn einfach nicht das Richtige für diese Katy, da muss ein Garn mit langen Farbverläufen die aparte Form zur Wirkung bringen. 100g Sockenwolle reichen wirklich.
 Ehrlich gesagt, fand ich es auch schade, so viel von der schönen Wolle übrig zu haben und fing an, die Spitze, die mir zu kurz schien, zu verlängern, keine gute Idee, also Spitze wieder auf Originalgröße geribbelt und letztendlich "durchgeribbelt ".
Lazy 012
Meine Lazy Katy sieht nun wieder so aus und ich bereue es nicht, denn die Lazy Katy hat Besseres verdient und die Tausendschön Wolle auch.
In die Schatzkiste wandern heute Worte  von R.M. Rilke, als Abschluss auf unsere "Sonntagslebensdiskussion", die mich unheimlich ge- und berührt hat.

Wir müssen unser Dasein so weit, als es irgend geht, annehmen;alles, auch das Unerhörte, muss darin möglich sein.
Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unerklärbarsten, das uns begegnen kann.
R.M. Rilke

Sonntag, 16. Januar 2011

Ich lebe als Dilettant

Ein kritischer Blick auf mein Selbstgemachtes, zeigt, bei mir keine schnurgeraden Nähte, kein Tuch ohne Fehler, keine perfekte Socke, bleibe ich ein ewiger Dilettant?
Vielleicht, vielleicht sogar gern.
Irgendwann begann für mich das Lernen aufs  Neue. Ich lernte mehr Blumen kennen als nur die ewig rote Nelke, ich lernte sie binden und pflanzte sie in einen Garten, der damals noch keiner war, er wuchs unter meinen Händen, wie meine Leidenschaft und mein Wissen.

Ich lernte mich auf dem Rücken eines Pferdes tragen zu lassen, ritt durch den Wald, vergaß Zeit und Raum und schloss die Augen, um blind zu vertrauen.

Ich lernte zeichnen und Farben zu mischen, bis sie zu Formen verschmolzen.

Ich habe gelernt, Töne zu spielen und habe gespürt, wie sie in meinem Körper ewig weiter klingen.


 Aber in all dem, blieb ich ein Dilettant, ein anonymer Amateur, der seine Fehler zu Charme erhebt.
Vor Wochen schrieb mir jemand, "du musstest in deinem Leben um Nichts kämpfen",(das hat mich in diesem Augenblick sehr verletzt),heute weiß ich, es ist wahr, alles was ich bin, alles was ich habe, habe ich mir nicht erkämpft, sondern "erliebt und erlebt".
Denn, wer das Leben als Kampf sieht, muss sich gegen das Leben waffnen und lebt gegen das Leben, wer es jedoch als Fest sieht, greift zu den Tanzschuhen...

Freitag, 14. Januar 2011

Rose of England 4

Der große Kreis ist fertig, um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie das Ganze sich entwickelt, habe ich mehrere Knit Pro Seile mit diesen Verbindungsstücken verknüpft.
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Liebe Hilda, eigentlich hätte ich nie gedacht, dass mir dieses Teil noch so nützlich sein wird, Seile habe ich eigentlich genug, aber auch ein
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Man muss das Ganze wirklich gut fest schrauben, aber da sich die Schlüssel in entgegengesetzte Richtung bewegen, keine Gefahr, dass die mehr als 700 Maschen ins Nirgendwo rutschen.
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Mit dem Rosentüll unter der Jacke, fallen die Löcher, an denen ich mich doch störe, weniger auf. Hier sieht die Rose ein noch ziemlich zerknittertes "Gesicht"aber, an das Spannen will ich vorerst nicht denken.
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Hier eine halbe Vorderansicht, mir gefällt die gebogene Linie, ob die Höhe der Ärmellöcher stimmt, wird sich zeigen. Rundum wird noch eine Bordüre gestrickt, so dass die Jacke noch mehr Weite bekommt.
Falls sie zu groß wird, kuschele ich mich eben doppelt rein.
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Den letzten Chart habe ich" blättrig" improvisiert, denn im Original folgen noch ein paar Blattrunden.
Mir fiel beim Fotografieren auf, dass mich rechts und links noch  mehr Rosen umgeben, in dieser ähnlichen Farbe.
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Der Zufriedene
Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allen ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.
So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küssen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.
Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.
Christian Ludwig Reissig
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Nun ruht die Rose erstmal in einer größeren Tasche, die Rundumbordüre wird wohl ein langwieriger - langweiliger Prozess, aber Lise hatte mich schon HIER vorgewarnt.
Wenigstens spare ich mir mit dem Anstricken der Bordüre das Abketten.
Und Mut hole ich mir bei Liese vom
nun auch  in der Schatzkiste, ihr Cape Schal ist ja schließlich auch fertig geworden.

 
Im Garten roch es zum ersten Mal nicht mehr nach Schnee, im Wind ein Duft von Gras, das im Verborgenen wächst und ein leises Frühlingsversprechen.